Stefan Behounek • Brüder Unterweger | Erste Latschenölbrennerei

 Aus dem beschaulichen Assling in Osttirol treten die Öle aus Tirols Erster Latschenölbrennerei Reisen in die ganze Welt an. Als Quality Manager weiß Stefan Behounek nicht nur, was ihre besondere Qualität ausmacht, sondern auch, dass das Wissen rund um die Tradition der Ölgewinnung wertvoll ist.

 

Die Firma Unterweger ist Tirols erste Latschenölbrennerei: Herr Behounek, können Sie kurz skizzieren, wie es dazu kam?

Johann und Ignaz Unterweger gründeten die Ölbrennerei im Jahr 1886. Heute wird die Firma hier in Assling (Osttirol) in der vierten Generation geführt. Die Brüder Unterweger waren von Anfang an überzeugt davon, dass sich mit ätherischen Ölen aus Tirol etwas machen lässt. Deshalb sind sie 1888 auch gleich zur Weltausstellung gefahren und haben die Öle einem internationalen Publikum präsentiert. Darunter auch das Latschenkieferöl, das typisch ist für unsere Region. Aufgrund seiner wohltuenden, durchblutungsfördernden Wirkung heißt es hier auch „Bergsegen“.

 

Heute treten Ihre Öle von Osttirol Reisen in die ganze Welt an. Was unterscheidet sie von anderen Anbietern?

Uns zeichnet aus, dass wir gleichbleibend hohe Qualität liefern. Wir überprüfen unsere Öle ständig durch verschiedene chemische und physikalische Parameter. Und verfügen über jahrelanges Know-how, auf das wir sehr stolz sind. Die Geruchskontrolle spielt zum Beispiel eine große Rolle. Es dauert Jahre, um dabei das richtige Gespür zu entwickeln. 

 

Wie gelangt nun die Latschenkiefer ins Ölfläschchen?

Das ist im Grunde ganz einfach. Latschen wachsen hinauf bis zur Waldgrenze in der freien Natur. Oft sind die Erntestellen im Unterholz nur schwer zu erreichen, was diese Arbeit körperlich sehr anstrengend macht. Dort werden frische Nadeln und Zweigspitzen mit der Axt abgeschlagen und gebündelt ins Tal gebracht. In der Brennerei wird durch Wasserdampfdestillation das Öl gewonnen. 

 

Klingt nach einer echten Ölrarität …

Ja, richtig. Die Ausbeute, die dabei in der Florentinerflasche landet, ist mit 0,1 bis 0,7 % verhältnismäßig gering.

 

Überhaupt haben Sie viele seltene Öle im Sortiment. Wie stellen Sie Ihre Produktpalette zusammen?

Wir bewegen uns mit unseren Ölen in einem Nischenmarkt: Wir machen keine Massenproduktion. Unser Fokus liegt auf besonderen Rohstoffen wie Latsche, Zirbe oder Hanf. Da folgen wir auch gerne Trends auf dem Kosmetikmarkt und versuchen, dafür einheimische Produkte in bester Qualität zu liefern. 

 

Die Firma Unterweger unterhält eigene Anbaugebiete beispielweise in Moldawien, Rumänien und Ukraine. Was wächst dort?

Unter anderem Lavendel, Oreganum, Muskattellersalbei und Salbei.

 

Ihr Unternehmen liegt sehr idyllisch inmitten der Tiroler Berglandschaft: Was sehen Sie vom Bürofenster aus?

Im Moment blicke ich auf Bergipfel, die noch etwas verschneit sind. Direkt vor dem Gebäude liegen die Blumenwiesen des Vitalpinums, unseres eigenen Naturerlebnisbereichs.

 

Mit dem Erlebnisgarten Vitalpinum auf dem Firmengelände haben Sie ein besonders schönes Ausflugsziel geschaffen. Offensichtlich liegt Ihrem Unternehmen viel daran, Wissen über Öl weiterzugeben …

Stimmt. Wir wollen gern die Wirkung unserer Produkte erlebbar machen. Das Vitalpinum gibt es seit 2010. Der Wohlfühlgarten besteht aus mehreren Zonen. In der Vital- und Aktiv-Zone zum Beispiel laufen Besucher auf einem Barfußpfad durch kühles Bergquellwasser und können sich am Ende die Füße am Arnikabrunnen einreiben. Ein lustiges Detail ist dabei der Transportlift, der die Schuhe ans Ziel befördert: Mit solchen Holzkisten wurden früher nämlich die gesammelten Latschen ins Tal befördert. Darüber hinaus gibt es einen Zirbenkraftplatz, einen Wohlfühlgarten und eine Schaubrennerei, die Einblicke in das historische Handwerk der Brennkunst bietet. 

 

Haben Sie selbst denn auch ein Lieblingsöl?

Mein Lieblingsöl ist das Johanniskrautöl. Ich spiele gern Tennis, komme aber leider nur selten dazu. Wenn ich dann doch mal Sport treibe, lässt sich der Muskelkater mit einer Johanniskrautölmassage lindern. 

 

Herr Behounek, vielen Dank für das Gespräch!

 

 

 

Interview vom Juni 2020

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